Unsere Bestände
sind Maedi-Visna unverdächtig !
Maedi - die heimtückische Schafkrankheit
Das Maedi-Visna-Virus ist ein in Mitteleuropa weit verbreiteter Krankheitserreger der Schafe und Ziegen. Es handelt sich um ein RNA-Virus aus der gleichen Gruppe wie das für AIDS-Erkrankungen verantwortliche Humane Immundefizienz-Virus (HIV). Es wird angenommen, dass das Virus in ca. 80% der Schafbestände Mitteleuropas zirkuliert. Es kann bei infizierten Schafen eine zunehmende Verhärtung der Lunge bewirken, die zu Atemnot früher oder später zum Tod bzw. vorzeitiger Merzung betroffener Tiere führt. Auch Rückgang der Milchleistung und vermehrte Euterentzündung bei säugenden Mutterschafen sind in betroffenen Beständen regelmäßig die Folge. Chronische Erkrankungen des Nervensystems kommen vor. Die Virusinfektion bereitet bakteriellen Infektionen vor allem der Atmungsorgane den Weg, die dann oft zuerst auffallen und mit nur zeitweisem Erfolg behandelt werden können. Nach erfolgreicher Behandlung wiederkehrende bzw. bei ständig wechselnden Schafen im Bestand auftretende Atemwegsinfektionen können insofern ein Hinweis auf eine Grunderkrankung durch das Maedi-Visna-Virus sein.
Besonders heimtückisch ist die Krankheit dadurch, dass zwischen Infektion und Erkrankung betroffener Tiere drei Monate bis deutlich über ein Jahr vergehen können, jedoch schon lange vor Auftreten erster Krankheitszeichen reichlich Viren ausgeschieden werden. Andere Schafe werden über Nasensekret, ausgehustete Aerosole und virushaltiges Blut angesteckt. Tierärztliche Reihenimpfungen oder Wurmbehandlungen per Injektion, bei denen die Kanüle nicht gewechselt wird, können zur Infektion von bis zu acht bis dahin virusfreien Tieren nach der Impfung eines infizierten Tieres führen. Kommt es in der Folge zu einem klinischen Ausbruch der Krankheit, so meist in einer Leistungsphase, also Hochträchtigkeit oder Laktation. Dem vorzubeugen lohnt sich trotz des Aufwandes aus unserer Sicht unbedingt. Wir tun dies einerseits durch jährliche Untersuchung unserer Tierbestände und strikte Kontaktvermeidung zu Schafen aus nicht sanierten Beständen. Mehrheitlich züchten wir zusätzlich auf Maedi-Resistenz, indem für die Krankheit auf erblicher Grundlage empfängliche Böcke nicht eingesetzt werden. Im Unterschied zu anderen Züchtern verlassen wir uns auf diese Resistenzzucht jedoch nicht, das bislang noch kein wissenschaftlicher Nachweis erbracht wurde, dass die der entsprechenden Veranlagung zugeschriebene Resistenz tatsächlich belastbar ist.
Die Zuchtgemeinschaft –
hohe Ziele, hohe Ansprüche
Eine Vernetzung der Züchter sowohl der Nolana-Fleischschafe als auch der Züchter des Braunen Haarschafes bietet bereits das Nolana-Netzwerk, ein von einem Teil der Züchter getragener Verein. Der Verein steht für gemeinsame Außenwirkung und fördert die den Austausch unter den Züchtern, d. h. Kommunikation wie auch Zuchttier-Austausch.
Die Zuchtgemeinschaft wurde innerhalb des bestehenden Netzwerkes gegründet, um speziell der Herdbuchzucht maedi-freier Brauner Haarschafe auf eine stabile, zukunftsfähige Basis zu verleihen.
Verschiedene Züchter unserer Gemeinschaft hatten ihre Bestände in der Vergangenheit bereits regelmäßig auf Maedi-Antikörper im Blut untersuchen lassen, die wiederum Hinweis auf eine Infektion mit dem Maedi-Visna-Virus sind. Damit wollten wir einerseits sicher sein, einen verlässlich gesunden Bestand zu führen, aber auch das Virus nicht versehentlich an andere Züchter weiterzugeben. Mit zunehmenden Anfragen nach Export-Tieren erschien es sinnvoll, die ohnehin bestehende Maedi-Freiheit (offiziell „Maedi-Unverdächtigkeit“) amtlich zertifizieren zu lassen. Vielfach werden bei Exporten umfangreiche Zuchtgruppen nachgefragt, die aus einer größeren Zahl weiblicher Tiere und mehreren nicht verwandten Böcken bestehen und einen einheitlichen Gesundheitsstatus aufweisen sollen. Wenn Neueinsteiger in die Herdbuchzucht im Inland auf der Suche nach Tieren für die Bestands-Begründung sind, werden vielfach gleiche Anforderungen gestellt.
Einerseits um die von uns selbst gestellten hohen Anforderungen an die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Tiere nicht bei jedem Tierzukauf wieder infrage stellen zu müssen und andererseits auch um entsprechende Tiere sowohl einzeln als auch als Zuchtgruppen anbieten zu können, haben sich 2020 zunächst fünf engagierte Herdbuchzüchter zu einer Zuchtgemeinschaft zusammengeschlossen, die die Maedi-Zertifizierung gemeinsam durchlaufen hat. Im Jahr 2023 war es dann soweit: die ersten fünf Zertifikate wurden übergeben. Ein Züchter, der sich uns zwischenzeitlich angeschlossen hatte, begann das Zertifizierungs-Verfahren freiwillig in 2023 neu, um mehrere Tiere, die seltene Genetik tragen, aber als Herdbuchtiere der herdbuchklasse A über eine volle Abstammung verfügen, in seinen Bestand aufnehmen zu können und damit einen Beitrag zu Erhaltung der genetischen Bandbreite innerhalb der Population zu leisten. Zwei weitere Züchter schlossen sich in 2023 der Zuchtgemeinschaft an.
Minimierung von Inzucht
Da für uns ein Zuchttier-Zugang nur durch Austausch untereinander sowie durch Zukauf aus anerkannt maedi-unverdächtigen Beständen infrage kommt, haben wir uns seit Beginn unserer Zusammenarbeit mit der Frage beschäftigt, wie wir Inzucht bestmöglich vermeiden können. Zucht bedeutet, die genetische Vielfalt innerhalb einer Population beständig durch Selektion auf erwünschte Merkmale einzuengen. Indem Träger unerwünschter Merkmale entfernt werden, können ungewollt auch positive Merkmale ausgeschlossen werden. Durch Erhaltung der Nachkommen ausschließlich von Trägern erwünschter Merkmale und deren Verpaarung untereinander in Folgegenerationen werden sich die Tiere innerhalb der Population einerseits genetisch immer ähnlicher. Gleichzeitig steigt die sogenannte Homozygotie (Reinerbigkeit von Merkmalen) der Erbanlagen in den Einzeltieren. Dies führt zu höherer Erbfestigkeit der Merkmale, gleichzeitig wird die Variabilität innerhalb der Population eingeschränkt, wodurch Anpassungsmöglichkeiten an wechselnde Anforderungen verringert werden. Schon dadurch hat höchste Erbfestigkeit nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile. Hinzu kommt, dass bei vielen Arten von Haustieren eine Abnahme der Vitalität mit zunehmender Homozygotie (Reinerbigkeit an vielen Genorten) einher geht.
Um langfristig vitale Zuchttiere zu erhalten und zu erzeugen, achten wir strikt darauf, Verpaarungen naher Verwandter zu vermieden. Zu diesem Zweck betreiben wir aufwändige Zuchtplanungen. Wir prüfen für alle Muttertiere mit geeigneten Datenbankanwendungen, wie sich der Einsatz verschiedener Zuchtböcke auf die Entwicklung der Inzucht-Koeffizienten im Bestand auswirkt. Die Zuchtböcke tauschen wir in der Gemeinschaft so aus, dass alle Mitglieder optimale Verpaarungen realisieren können. Wenn dies in einem Jahr bei einzelnen Züchtern nicht gelänge, würde dies in Folgejahren für alle Züchter der Gemeinschaft durch einem Mangel an Fremdgenetik spürbar. Insofern ist die Motivation für uns alle hoch, gemeinsam den Grundstein für eine langfristige Inzuchtminimierung in der Rasse-Population zu legen. Davon profitieren auch Züchter außerhalb der Gemeinschaft, die auf der Suche nach neuer Genetik für Ihren Bestand sind.